Was möchtest du?
Über eine Entscheidung des Herzens – und eine Pflanze, die genau zur richtigen Zeit in unser Leben kam

Im letzten Teil unserer Geschichte haben wir euch erzählt, wie unsere ersten Schritte auf den Märkten Madeiras aussahen.
Zwei Rucksäcke. Eine geliehene Tischdecke. Unsere selbstgemachten Ketten. Und ziemlich wenig Ahnung davon, wohin uns das alles einmal führen würde.
Unser Satz damals war:
„Wir haben schon gewonnen, weil wir es durchgezogen haben.“
Und genau nach diesem Satz haben wir weitergemacht. Woche für Woche. Auch dann, als es irgendwann eigentlich kaum noch einen vernünftigen Grund dafür gab.
Ralf – Drei Monate, in denen fast nichts ging
Es gab eine Phase, die sich ziemlich gezogen hat. Ungefähr drei Monate lang standen wir einmal die Woche auf dem Markt und verkauften teilweise fast nichts.
Manchmal waren es vielleicht 20 Euro. Manchmal kaum etwas. Und das Ganze mitten im Winter.
Madeira klingt natürlich erst einmal nach Sonne und angenehmen Temperaturen. Aber wer hier lebt, weiß: Madeira kann auch anders. 😄
Regen. Wind. Kälte.
Und auf dem Markt teilweise ein Durchzug, bei dem man sich irgendwann fragt, warum man eigentlich noch da steht.
Wir kamen nach Hause und waren einfach nur fertig. Nicht nur körperlich.
Irgendwann stellt man sich natürlich auch wirtschaftlich die Frage:
Macht das überhaupt Sinn?
Daniela – Eigentlich hätte alles dafür gesprochen aufzuhören
Wenn man nur die Zahlen angeschaut hätte, wahrscheinlich schon.
Drei Monate. Jede Woche wieder hin. Kälte. Regen. Teilweise den ganzen Tag stehen. Und am Ende vielleicht 20 Euro Einnahmen.
Natürlich waren wir enttäuscht. Natürlich waren wir müde. Und natürlich gab es Momente, in denen es einfach keinen Spaß gemacht hat.
Aber etwas war merkwürdig.
Aufhören fühlte sich für uns beide noch falscher an.
Da war immer wieder dieses innere:
Bleibt. Macht weiter.
Ich kann es nicht logischer erklären. Wir wussten nicht, warum. Wir wussten auch nicht, was daraus werden sollte.
Aber wir haben beide gespürt:
Wir gehen weiter auf diesen Markt.
Ralf – Gleichzeitig wussten wir: Etwas muss sich verändern
Weiterzumachen bedeutete für uns allerdings nicht, einfach stur immer dasselbe zu tun.
Uns war klar:
So kann es nicht bleiben.
Wir brauchten etwas Neues. Eine Veränderung. Eine neue Idee.
Nur hatten wir noch keine Ahnung, wie diese aussehen sollte.
Es war eher ein Gefühl. Etwas war in Bewegung. Noch nicht sichtbar. Noch nicht greifbar.
Aber wir beide wussten:
Da kommt etwas.
Daniela – Und dann flog ich nach Deutschland
Im April 2025 flog ich gemeinsam mit Jasmin nach Deutschland. Und diese Reise wurde für mich persönlich sehr viel herausfordernder, als ich erwartet hatte.
Denn plötzlich stand etwas im Raum, womit ich emotional überhaupt nicht gerechnet hatte:
Jasmin wollte möglicherweise in Deutschland bleiben.
Und ich konnte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht loslassen. Ich konnte es einfach nicht.
Da war so viel Schmerz. So viel Angst. So viele Gedanken.
Und plötzlich hatte ich das Gefühl, mich entscheiden zu müssen.
Daniela – Zwischen meinem Kind und meinem Mann
Ich möchte diese Geschichte an dieser Stelle gar nicht vollständig erzählen. Denn sie verdient ihren eigenen Raum.
Vielleicht gerade deshalb, weil sie für mich als Mama eine der größten Erfahrungen meines Lebens geworden ist.
Aber für das, was danach geschah, ist wichtig zu verstehen, wo ich damals stand.
Ich hatte plötzlich das Gefühl:
Wenn Jasmin in Deutschland bleibt – was mache ich dann?
Bleibe ich auch? Gehe ich zurück nach Madeira? Was passiert mit Ralf? Was passiert mit unserer Familie?
Deutschland fühlte sich für mich nicht mehr wie mein Zuhause an. Madeira schon.
Und trotzdem konnte ich mir in diesem Moment kaum vorstellen, mein Kind in Deutschland zu lassen und einfach zurückzufliegen.
Es fühlte sich an, als müsste ich mich entscheiden.
Zwischen meinem Kind und meinem Mann. Zwischen Deutschland und Madeira. Zwischen Festhalten und Loslassen.
Dabei wollte ich mich überhaupt nicht entscheiden.
Ich wollte einfach, dass alles zusammenbleibt.
Ralf – Und ich saß auf Madeira
Natürlich war diese Zeit auch für mich nicht einfach.
Daniela und Jasmin waren in Deutschland. Und irgendwann stand plötzlich die Möglichkeit im Raum, dass Jasmin dortbleiben könnte.
Und damit kam für mich automatisch die nächste Frage:
Kommt Daniela überhaupt zurück?
Natürlich hatte ich Angst.
Wir hatten diesen ganzen Weg gemeinsam begonnen. Wir hatten Deutschland verlassen. Unser Haus verkauft. Uns hier etwas aufgebaut. Wir hatten so viel miteinander durchgestanden.
Und plötzlich wusste ich nicht, wie es weitergehen würde.
Ich weiß noch, dass ich zu Daniela gesagt habe:
„Was soll ich denn alleine auf Madeira?“
Denn für mich war Madeira nie einfach nur ein Ort.
Dieses Leben hier war immer unser Leben.
Daniela – Und irgendwann blieb nur noch eine Frage
Ich habe in dieser Zeit versucht, alles gleichzeitig zu lösen.
Was ist richtig für Jasmin? Was braucht Ralf? Was passiert mit unserer Familie? Was wäre vernünftig? Was sollte ich tun?
Und irgendwann kam mitten in diesem ganzen inneren Durcheinander eine andere Frage.
Eine ganz einfache.
Daniela, was möchtest eigentlich du?
Nicht: Was solltest du?
Nicht: Was wäre für alle anderen am besten?
Nicht: Was wird von dir als Mutter erwartet?
Nicht einmal: Was braucht dein Mann?
Sondern:
Was möchtest DU?
Und meine Antwort war sofort da. Ich musste nicht darüber nachdenken.
Mein Herz will nach Madeira.
Daniela – Das war keine Entscheidung gegen jemanden
Das musste ich erst verstehen.
Wenn mein Herz nach Madeira wollte, bedeutete das nicht, dass ich mich gegen mein Kind entschied.
Und genauso wenig wollte ich nach Madeira zurück, nur weil dort mein Mann auf mich wartete.
Ich musste anfangen zu verstehen:
Für mich selbst loszugehen bedeutet nicht automatisch, jemanden zurückzulassen.
Vielleicht ist genau das manchmal eine der schwierigsten Formen von Liebe.
Einem Menschen seinen eigenen Weg zuzugestehen, ohne dafür den eigenen verlassen zu müssen.
Ich war damals noch mitten in diesem Prozess. Nichts daran fühlte sich leicht an.
Aber zum ersten Mal gab es wieder etwas in mir, das klar war:
Madeira ist mein Zuhause.
Ralf – Und genau in dieser Zeit fiel mir diese Pflanze auf
Das Spannende ist: Wir kannten Aloe natürlich.
Aloe vera kennt wahrscheinlich fast jeder. Und auch die Baum-Aloe hatten wir auf Madeira schon gesehen. Sie wächst hier schließlich an vielen Stellen.
Aber wir hatten uns nie wirklich mit ihr beschäftigt.
Sie war einfach da.
Bis zu diesem Moment.
Als Daniela und Jasmin nach Deutschland flogen, sah ich ihnen noch nach. Und genau in dieser Zeit fiel mir diese Pflanze plötzlich ganz anders auf.
Aloe arborescens. Die Baum-Aloe.
Ich kann nicht einmal sagen, warum. Sie stand nicht zum ersten Mal irgendwo vor mir.
Aber zum ersten Mal hatte ich diesen Impuls:
Mit dieser Pflanze muss ich mich beschäftigen.
Also fing ich an zu lesen. Zu recherchieren. Zu schauen:
Was ist das eigentlich für eine Pflanze? Was unterscheidet sie von der Aloe vera? Warum wächst sie hier auf Madeira?
Und je mehr ich mich mit ihr beschäftigte, desto interessanter wurde sie für mich.
Daniela – Und als Ralf mir davon erzählte, war sie sofort da
Ralf erzählte mir von der Baum-Aloe. Und bei mir passierte etwas anderes.
Natürlich interessierte mich, was er über die Pflanze herausgefunden hatte.
Aber mein Zugang zu Pflanzen war schon immer auch ein energetischer.
Ich wollte nicht nur wissen:
Was steckt in dieser Pflanze?
Ich wollte wissen:
Wer bist du? Was ist deine Kraft? Was bringst du mit?
Und bei der Baum-Aloe war diese Wahrnehmung unglaublich stark.
Daniela – Aufrichtung
Wenn ich mich mit der Energie der Baum-Aloe verbinde, ist eines der ersten Worte, das für mich kommt:
Aufrichtung.
Sie wächst nach oben. Sie richtet sich aus.
Für mich verbindet sie Himmel und Erde.
Oben das Licht. Unten ihre Verwurzelung.
Und dazwischen: der Körper. Das Menschsein. Das eigene Leben.
Für mich trägt sie die Energie:
Erinnere dich an dein Licht – auch wenn dein Außen es dir gerade nicht zeigt.
Richte dich auf. Spüre dich. Vertraue deiner eigenen Kraft.
Und:
Lauf für dich los.
Daniela – Und irgendwann begriff ich die Parallele
Heute kann ich darauf zurückblicken und sehe eine Verbindung, die ich damals noch gar nicht vollständig verstanden habe.
Diese Pflanze kam in unser Leben, als wir selbst genau diese Qualität brauchten.
Ralf und ich standen beruflich an einem Punkt, an dem wir wussten:
Etwas muss sich verändern.
Wir hatten Monate auf dem Markt verbracht, obwohl im Außen kaum etwas dafür sprach weiterzumachen.
Und gleichzeitig stand ich persönlich vor einer der schwierigsten Fragen meines Lebens.
Festhalten? Loslassen? Bleiben? Gehen? Was wollen die anderen? Was brauchen die anderen?
Und dann kam irgendwann:
Daniela, was möchtest du?
Mein Herz wollte nach Madeira.
Und genau in dieser Zeit begann eine Pflanze unsere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, deren Energie für mich etwas verkörpert, das ich selbst gerade lernen musste:
Mich aufzurichten und meinen eigenen Weg zu gehen.
Ralf – Wir wussten noch nicht, was daraus entstehen würde
Natürlich saßen wir damals nicht da und sagten:
„So. Das wird jetzt unser neues Business.“
So war es überhaupt nicht.
Es begann mit Interesse. Mit Recherche. Mit Ausprobieren.
Und mit der Frage: Was können wir mit dieser Pflanze machen?
Wir wussten noch nicht, dass die Baum-Aloe irgendwann einen so großen Platz in unserem Leben einnehmen würde.
Wir wussten nicht, dass sie einmal auf unserem Marktstand stehen würde. Wir wussten nicht, dass Menschen wegen unserer Aloe-Produkte wiederkommen würden.
Und wir wussten ganz sicher noch nicht, dass sie irgendwann ein wichtiger Teil von Encanto da Madeira sein würde.
Wir hatten einfach angefangen, hinzuschauen.
Daniela – Vielleicht hat die Aloe uns gefunden
Ich glaube, Pflanzen begegnen uns manchmal anders, als wir denken.
Wir laufen jeden Tag an ihnen vorbei. Wir sehen sie. Und trotzdem nehmen wir sie nicht wirklich wahr.
Bis irgendwann etwas geschieht.
Und plötzlich sehen wir dieselbe Pflanze mit vollkommen anderen Augen.
Die Baum-Aloe war die ganze Zeit auf Madeira. Wir kannten sie. Wir hatten sie gesehen.
Und trotzdem begann unsere Geschichte mit ihr erst genau in diesem Moment.
Als unser Markt nach Veränderung rief.
Als Ralf nicht wusste, wie unser gemeinsamer Weg weitergehen würde.
Als ich in Deutschland saß und glaubte, mich zwischen Menschen und Orten entscheiden zu müssen, die ich liebe.
Und als ich mir selbst zum ersten Mal wieder die Frage stellte:
Was möchte eigentlich ich?
Vielleicht haben wir deshalb irgendwann aufgehört zu sagen:
Wir haben die Aloe gefunden.
Denn so fühlt es sich für uns nicht an.
Es fühlt sich eher an wie:
Die Aloe hat uns gefunden.
Nicht, weil sie plötzlich irgendwo aufgetaucht wäre.
Sondern weil wir genau in diesem Moment bereit waren, sie wirklich zu sehen.
Und wir hatten damals noch keine Ahnung, dass diese Begegnung unseren Markt, unsere Arbeit und irgendwann sogar Encanto da Madeira verändern würde.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Von Herzen
Daniela & Ralf
Encanto da Madeira


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