Die rote Pflanze
Manchmal beginnt ein neuer Weg mit einer Pflanze am Straßenrand
Ralfs Blick auf unseren Weg – über rote Blüten, Forschergeist, einen unerwarteten Lichtblick und das Vertrauen, einer Spur zu folgen, bevor man weiß, wohin sie führt

Im letzten Teil unserer Geschichte haben wir euch erzählt, wie die Baum-Aloe plötzlich unsere Aufmerksamkeit auf sich zog.
Oder vielleicht müsste man genauer sagen: Wie wir plötzlich bereit waren, sie zu sehen.
Denn die Aloe arborescens war natürlich längst auf Madeira.
Und auch in unserem Leben war sie schon einmal aufgetaucht.
Nur wussten wir damals noch nicht, welche Bedeutung diese Pflanze einmal für uns bekommen würde.
Ralf – Eigentlich waren es zuerst nur diese wunderschönen roten Blüten
Ich weiß noch, dass mir die Pflanze lange vorher schon einmal aufgefallen war.
Wir lebten zu diesem Zeitpunkt bestimmt schon ein gutes Jahr, vielleicht sogar eineinhalb Jahre auf Madeira.
Vor einem Supermarkt gab es auf der anderen Straßenseite einen leichten Abhang. Dort wuchsen diese kakteenartigen Pflanzen, und offenbar war gerade Blütezeit.
Überall waren diese wunderschönen orange-roten Blüten.
Und genau die waren es, die meine Aufmerksamkeit auf sich zogen.
Ich dachte einfach: "Was für eine tolle Pflanze."
Ich habe sogar an den Blüten gerochen.
Leider riechen sie nicht. 😄
Und damit war die Sache für mich zunächst erledigt.
Ich wusste zwar irgendwann, dass es wohl eine Aloe-Art sein sollte, aber ehrlich gesagt passte das nicht so richtig zu dem Bild, das ich von Aloe im Kopf hatte.
Aloe sah für mich anders aus.
Also blieb es bei:
Schöne Pflanze. Schöne Blüten.
Mehr nicht.
Ralf – Bis ich an diesem Parkplatz stand
Der Moment, in dem sich das änderte, kam später.
Daniela und Jasmin flogen nach Deutschland.
Ich wollte den Start ihres Flugzeugs beobachten und suchte dafür einen anderen Platz als sonst.
Ich hatte keinen großen Plan. Ich fuhr eigentlich relativ ziellos durch die Gegend und landete schließlich auf einem Parkplatz, den ich vorher überhaupt nicht auf dem Schirm gehabt hatte.
Ich stellte das Auto ab und musste noch eine gute halbe Stunde oder länger warten, bis das Flugzeug starten würde.
Und während ich dort wartete, sah ich sie wieder.
Diese Pflanze.
Diesmal standen dort richtig große, wunderschöne Exemplare. Einige davon wieder mit diesen auffälligen roten Blüten.
Und plötzlich war da ein anderer Impuls als beim ersten Mal.
Nicht nur: Schöne Pflanze.
Sondern:
Was ist das eigentlich genau?
Ich hatte inzwischen gehört, dass es sich um eine Aloe handeln sollte. So richtig glauben wollte ich es immer noch nicht.
Also nahm ich mein Handy.
Ralf – Und dann begann ich zu recherchieren
Mit den Möglichkeiten, die wir heute haben, ging das natürlich schnell.
Pflanze fotografieren, suchen, vergleichen.
Und ziemlich schnell hatte ich einen Namen:
Aloe arborescens.
Die Baum-Aloe.
Und ab diesem Moment war meine Neugier geweckt.
Denn diese Pflanze wächst hier auf Madeira an so vielen Stellen, dass man sie irgendwann fast gar nicht mehr wahrnimmt.
Sie steht an Straßenrändern, an Hängen, in Gärten.
Fast wie Unkraut.
Und gleichzeitig las ich plötzlich von ihrer langen Verwendung als Heilpflanze und von all den Eigenschaften, die ihr zugeschrieben wurden.
Das passte für mich zunächst überhaupt nicht zusammen.
Wie kann etwas, das hier scheinbar überall und vollkommen selbstverständlich wächst, gleichzeitig so besonders sein?
Also las ich weiter.
Und je mehr ich las, desto mehr wollte ich wissen.
Ralf – Aus Neugier wurde Forschergeist
Bei meiner Recherche stieß ich relativ schnell auf Pater Romano Zago, einen brasilianischen Franziskaner, der sich über viele Jahre intensiv mit der Aloe arborescens beschäftigt und Bücher darüber veröffentlicht hatte.
Darin berichtete er unter anderem von traditionellen Anwendungen und Erfahrungen mit einer Zubereitung aus Aloe arborescens.
Und spätestens da war mein Forschergeist endgültig geweckt.
Ich wollte nicht einfach irgendeine Aussage im Internet lesen und sie glauben.
Ich wollte wissen:
Was gibt es noch über diese Pflanze?
Welche Quellen finde ich?
Was wird über sie geschrieben?
Wie wurde sie traditionell verwendet?
Was unterscheidet sie von der Aloe vera, die fast jeder kennt?
Und vor allem:
Was kann man mit ihr machen?
Also recherchierte ich weiter.
Aus einer Pflanze am Straßenrand war plötzlich ein Thema geworden, das mich nicht mehr losließ.
Ralf – Und gleichzeitig suchten wir sowieso nach etwas Neuem
Vielleicht war genau das der Grund, warum diese Entdeckung bei uns auf so fruchtbaren Boden fiel.
Wir waren zu dieser Zeit ohnehin auf der Suche nach neuen Möglichkeiten für unseren Marktstand.
Wir hatten Danielas Heilsteine.
Wir boten selbstgemachte Massageöle an.
Daniela machte Massagesalz mit getrockneten Kräutern aus unserem Garten und band Räucherstängel aus Rosmarin, Lavendel und anderen Pflanzen.
Die Räucherstängel gibt es übrigens heute nicht mehr.
Madeiras Luftfeuchtigkeit und selbstgemachte Räucherstängel sind nämlich nicht unbedingt die allerbesten Freunde. 😄
Wir probierten aus.
Wir entwickelten.
Wir veränderten.
Aber da war gleichzeitig schon länger dieser Wunsch:
Wir möchten etwas anbieten, das wirklich Madeira in sich trägt.
Daniela – Wir wollten den Menschen etwas von dieser Insel mitgeben
Das war uns beiden wichtig.
Wir lieben diese Insel.
Und deshalb wollten wir nicht einfach irgendein weiteres Produkt herstellen, das genauso gut an jedem anderen Ort hätte entstehen können.
Wir wollten etwas, das mit Madeira verbunden ist.
Mit der Natur hier.
Mit den Pflanzen.
Mit dem, was diese Insel für uns ausmacht.
Etwas, das ein Mensch vielleicht mit nach Hause nimmt und bei dem ein kleines Stück Madeira mitreist.
Und plötzlich erzählte mir Ralf von einer Pflanze, die genau hier überall wächst.
Der Baum-Aloe.
Daniela – Seine Begeisterung traf auf etwas, das längst in mir war
Als Ralf mir davon erzählte, musste er mich nicht lange überzeugen.
Seine Begeisterung hat mich sofort angesteckt.
Aber wahrscheinlich auch deshalb, weil Pflanzen für mich nie einfach nur Pflanzen waren.
Diese Liebe begleitet mich schon sehr lange.
Und wenn ich heute darüber nachdenke, führt ein Teil davon zu meiner Oma zurück.
Ich werde ihren großen Esstisch nie vergessen.
Er war teilweise komplett mit Bachblüten vollgestellt. Sie mischte selbst, beschäftigte sich mit Pflanzen und arbeitete mit den Rhythmen des Mondes.
Sie pflanzte danach.
Sie erntete danach.
Und als Kind bekommt man vielleicht noch gar nicht bewusst mit, was solche Bilder irgendwann einmal bedeuten werden.
Heute merke ich, wie vieles davon auch in meinem eigenen Leben wieder auftaucht.
Wie ich selbst immer mehr über Pflanzen lerne.
Wie sehr mich ihre Kraft fasziniert.
Wie selbstverständlich es für mich geworden ist, mich mit ihren unterschiedlichen Ebenen zu beschäftigen.
Und deshalb traf Ralfs:
„Du, ich habe da etwas entdeckt …“
bei mir auf ziemlich offene Türen. 😄
Ich war genauso Feuer und Flamme.
Ralf – Für mich war es plötzlich ein Lichtblick
Und genau das beschreibt dieses Gefühl wahrscheinlich am besten.
Ein Lichtblick.
Unser Marktverkäufe waren zu dieser Zeit alles andere als ein Selbstläufer.
Wir hatten vieles ausprobiert.
Wir hatten weitergemacht, auch wenn die Einnahmen teilweise kaum einen vernünftigen Grund dafür geliefert hatten.
Und wir wussten:
Etwas darf sich verändern.
Dann stand da plötzlich diese Pflanze.
Eine Pflanze, die hier auf Madeira wächst.
Eine Pflanze, über die es unglaublich viel zu entdecken gab.
Und eine Pflanze, aus der vielleicht etwas entstehen konnte, das wirklich zu uns und zu dieser Insel gehörte.
Ich war Feuer und Flamme.
Nicht, weil ich bereits wusste, welches Produkt daraus entstehen würde.
Und auch nicht, weil ich irgendeine Garantie hatte, dass Menschen es kaufen würden.
Aber ich wusste: Dieser Spur möchte ich folgen.
Daniela – Sicherheit hatten wir. Nur eine andere
Wenn wir unsere Geschichte heute erzählen, könnte schnell der Eindruck entstehen, wir hätten damals irgendeine Sicherheit gehabt.
So nach dem Motto:
Jetzt haben wir die Aloe entdeckt. Daraus machen wir Produkte. Die verkaufen sich. Und dann wird alles gut.
Nein. 😄
Diese Sicherheit hatten wir überhaupt nicht.
Wir wussten nicht, ob wir damit Geld verdienen würden.
Wir wussten nicht, ob daraus überhaupt ein Produkt entstehen würde, das funktioniert.
Wir wussten nicht, ob unsere Kunden sich dafür interessieren würden.
Aber es gab eine andere Form von Sicherheit.
Und die hatten wir eigentlich von Anfang an.
Die Sicherheit, dass wir geführt sind.
Nicht geführt im Sinne von:
Alles wird leicht.
Sondern eher:
Da ist eine Tür. Schau sie dir an. Geh hindurch. Und dann siehst du weiter.
Solche Türöffner hatten wir in den Jahren zuvor immer wieder erlebt.
Deshalb stellte sich für uns gar nicht so sehr die Frage:
Können wir garantieren, dass das funktioniert?
Sondern:
Wollen wir herausfinden, was sich dahinter befindet?
Und die Antwort war ganz klar:
Ja.
Ralf – Wir hatten keine Ahnung, wohin uns das führen würde
Vielleicht ist genau das rückblickend das Spannende.
Heute können wir natürlich eine Linie ziehen.
Wir können sagen:
Da war der Parkplatz.
Da stand diese Aloe.
Dann kam die Recherche.
Dann unsere Begeisterung.
Und irgendwann entstanden daraus die Produkte, die heute einen großen Teil unseres Marktstandes ausmachen.
Aber damals gab es diese Linie noch nicht.
Damals gab es nur einzelne Punkte.
Ich wollte den Start eines Flugzeugs beobachten.
Ich landete zufällig auf einem Parkplatz.
Ich sah eine Pflanze, die ich schon vorher gesehen hatte.
Und diesmal schaute ich genauer hin.
Mehr war es zunächst nicht.
Und trotzdem war da plötzlich dieses Gefühl:
Da könnte etwas sein.
Wir beide – Also sind wir wieder losgegangen
Vielleicht wiederholt sich manches in unserer Geschichte.
Beim ersten Markt wussten wir nicht, ob es funktionieren würde.
Wir sind trotzdem losgelaufen.
Als monatelang kaum etwas verkauft wurde, wussten wir nicht, warum wir eigentlich weitermachen sollten.
Wir haben trotzdem weitergemacht.
Und bei der Baum-Aloe war es wieder ähnlich.
Wir hatten keine wirtschaftliche Sicherheit.
Keinen fertigen Plan.
Keine Produktlinie.
Keine Ahnung, was daraus einmal werden würde.
Aber wir hatten Neugier.
Wir hatten Begeisterung.
Wir hatten unsere unterschiedlichen Zugänge.
Ralf wollte recherchieren, verstehen und herausfinden, was mit dieser Pflanze möglich ist.
Daniela brachte ihre tiefe Pflanzenliebe, ihre Intuition und ihre eigene Prägung mit der Kraft der Natur mit hinein.
Und wir hatten dieses Vertrauen, das in den Jahren zuvor immer stärker geworden war:
Wenn sich eine Tür öffnet, müssen wir nicht wissen, was hinter der übernächsten liegt.
Wir müssen erst einmal nur durch diese eine gehen.
Also begannen wir.
Wir lasen.
Wir recherchierten.
Wir probierten aus.
Und ziemlich schnell standen wir vor der nächsten Frage:
Wie macht man aus einer Pflanze, die hier überall wächst, eigentlich ein wirklich gutes, natürliches Produkt?
Und sagen wir es einmal so:
Bis aus unseren ersten Versuchen das entstand, was heute auf unserem Marktstand steht, mussten wir noch einiges lernen. 😄
Aber das ist die nächste Geschichte.
Von Herzen
Daniela & Ralf 🤍
Encanto da Madeira
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